Rathausvorplatz Dresden

Bauherr:
Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt
Planung:
LP2, 2012

BESTAND/ PLANUNGSGRUNDLAGE

Die Sanierung des Rathauses und die Baustelleneinrichtung bestimmt derzeit das Bild des Rathausvorplatzes. Ungeordnete Flächen zergliedern den Raum. Eine zusammenhängende konzeptionelle Einheit fehlt. Als Auftakt des Konzeptes „Barrieren überwinden – der Weg vom Rathaus zum Deutschen Hygienemuseum“ kommt dem Rathausvorplatz eine besondere Bedeutung zu. Gleichzeitig ist er Bestandteil bzw. direktes Umfeld des Promenadenringes und der repräsentative Vorplatz des Rathauses. In seiner Offenheit und Großzügigkeit zeigt der Rathausvorplatz Potentiale auf, als Plafont der Goldenen Pforte, als Ort der Begegnung, als Schauplatz und Treffpunkt. Planungsgrundlage ist das Werkstattverfahren (2011), die Vorplanung zum Promenadenring mit Verkehrsplanung (2008) und der Rahmenplanentwurf Promenadenring der Stadt Dresden (2010).

Der vorhandene Baumbestand aus dem Großen Garten heraus mit Hauptallee, Herkulesallee, wird fortgeführt und gestärkt. Die Alleen werden mit Neupflanzungen ergänzt. Eine klare Definition der funktionalen und räumlichen Komponenten der Alleen bis zum Rathausvorplatz ist übergeordnetes Ziel der freiräumlichen Strukturen. Die Alleen begleiten neu entstehende Boulevards bis zum Rathausvorplatz, die die unterschiedlichen Zeiten, Themen, historischen Zusammenhänge und städtebauliche Geschichte vernetzen und vereinen.

ÜBERGEORDNETES KONZEPT DES BLÜTENTEPPICHS

Die gestalterische Klammer zwischen Herkulesallee und dem Rathausvorplatz bildet der große Blütenteppich, der sich vom Rathaus in Richtung Großer Garten entrollt. In seiner Gerichtetheit und Fortführung der Wege- und Blickbeziehungen, zeigt er zugleich auch die Verbindung als großartigen Blickfang vom Großen Garten hin zum Rathaus.

Flächenfüllende, strukturreiche Großstaudenpflanzungen führen die gerichteten Wege- und Blickbeziehungen der Alleen über die Straßen bis zum Rathausvorplatz. Der Blütenteppich wird vor dem Rathaus in Richtung Großer Garten ausgerollt, es erwachen Gartenbilder, die traditionell mit Dresden verbunden sind. Von großen Versiegelungsflächen im Sinne von harten Befestigungen wird nicht zuletzt aus ökologischen Gründen abgesehen.

Die Idee Gartentraditionen zeitgemäß zu inszenieren, stellt ein Alleinstellungsmerkmal in der Dresdner Innenstadt dar und kündigt den Weg zum Großen Garten an. Die zeichenhafte florale Geste lässt Raum für Sehnsucht nach Schönheit und Natur. Immergrüne Strukturen werden auch die winterliche Präsenz der Flächen ermöglichen und den Hintergrund für die fließenden Attraktionen der Blüten und Gräser liefern.

RATHAUSVORPLATZ

Der Rathausvorplatz versteht sich als Auftakt und Zielpunkt hinsichtlich der Wege- und Blickbeziehungen. Er ist gleichzeitig eingebettet in den, die Altstadt umschließenden, Promenadenring, der den Verlauf der historischen Wallanlagen Dresdens nachzeichnet.

Als Mischverkehrsfläche vereint der Rathausvorplatz einen belebten repräsentativen Platzraum mit den Funktionen für Erschließung und ruhenden Verkehr.

Durch einheitliche Oberflächenbeläge von großformatigen Granitplatten wird eine Großzügigkeit und Räumlichkeit des Rathausvorplatzes erreicht. Der Promenadenring wird in gelbem Asphalt (alternativ in wassergebundener Wegedecke) hergestellt. Als Wegeverbindung verläuft er innenseitig der Sitzbastion.

Die Rathausvorfahrt setzt sich als Spur im Belag ab durch Verwendung kleinerer Plattenformate. Die Verkehrsspur wird in einer Breite von 7,00 m geplant, wodurch eine Aufstellung von Längsparkern ermöglicht wird. Im Bereich der Achsen der Rathauspforten werden diese ausgespart. An der Kreuzstraße werden die Parkstellflächen neu angeordnet, Aufstellflächen für Motorräder und eine Behindertenstellplatz werden integriert.

Durch sensible Intervention in Form einer breiten Sandsteinsitzmauer wird die historische Spur der Bastion Jupiter wieder sichtbar an die Oberfläche gebracht. Für den Menschen nun wiedererkennbar und verbindend mit der Bastion Merkur vom Dr.-Külz-Ring, begrenzt sie städtebaulich im Vorplatzbereich des Rathauses das Zentrum der Altstadt. Sie lässt den Blick frei werden in stadträumlich und funktional verschiedene Räume – in beide (polare) Richtungen. Die Lage der Sitzbastion wird auf die Lage der derzeitigen Abbildung festgelegt. Sie bildet daher gleichzeitig eine Abgrenzung zu den Gleisen und die Führung der Fußgänger zum Boulevard ist gegeben.

Als Auftakt des Blütenteppichs werden die Grünflächen räumlich so angeordnet und platziert, dass sie sich in den urbanen Platz integrieren, aber auch durch ihre klare Form abheben. Es ist wie eine selbstverständliche Verzahnung der befestigten Flächen und Pflanzelemente.

Die Trümmerfrau verbleibt an ihrem Standort. Als Denkmal mit einem vielschichtigen historischen Hintergrund wird durch die Anordnung der Pflanzflächen dem Standort selbstverständlich Abstand und Distanz gegeben, ihr eigener Raum verschafft der Skulptur Respekt und Räumlichkeit. Die Möglichkeit, zu ihr Abstand zu halten, lässt die Bürger die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes zu.

Die Fahnenmasten bleiben an ihrem jetzigen Standort bestehen. Der Weichstein erhält seinen ehemaligen Standort im Bereich des Promenadenrings zurück.

Die Bestandsbäume auf dem Platz erhalten offene Baumscheiben mit einer Splittabstreuung. Die Bestandsbäume und Neupflanzungen im Promenadenring erhalten offene grüne Baumscheiben.

Die Beleuchtung wird auf dem Platz funktional angeordnet, die Umsetzung einer DIN gerechten Beleuchtungsstärke entsprechend der öffentlichen Verkehrswege ist Grundlage der weiteren Planungsschritte. Als Fabrikat wird in Fortführung die Leuchte Hess Novara gewählt.

Die Planungen von Leitungen und Beschilderungen sind nicht Bestandteil der vorgelegten Vorplanung.